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Erfolgsfaktor Kanzleiteam Impulse aus Unternehmens- und Strategieberatung 

Mitarbeitende als Kanzlei-Fans: Unternehmensbezogene Mitarbeiterbindung stärken

Wie Sie die Bindung der Mitarbeitenden zu Ihrer Kanzlei nachhaltig verbessern

Ein Beitrag von Diplom-Ökonom und Diplom-Psychologe Gunther Wolf

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https://www.initiative-gemeinsam-handeln.de/attraktive-kanzlei/mitarbeitende-als-kanzlei-fans-unternehmensbezogene-mitarbeiterbindung-staerken

Dass gute Mitarbeitende schwer zu finden sind, ist keine neue Erkenntnis. Und dass dies aufgrund der demografischen Struktur hierzulande keineswegs leichter wird, auch nicht. Was liegt da näher, als mit gezielten Maßnahmen die Bindung der bestehenden Mitarbeiterschaft zur Kanzlei zu stärken? In diesem Beitrag gehen wir der Frage nach, was Kanzleiinhaber:innen, Geschäftsführer:innen und Partner:innen dafür tun können.

Der demografische Wandel trifft die Steuerberatungsbranche besonders hart: Steuerfachkräfte, Steuerfachwirte und Steuerfachangestellte belegen seit Jahren stets einen der vorderen Plätze auf der Liste der am Arbeitsmarkt besonders gefragten Mangelberufe.

Wer die Bindung seiner Mitarbeitenden stärken will, muss sich zunächst etwas näher mit den hierbei relevanten Mechanismen und Elementen befassen. Denn dann werden Verhaltensweisen von Mitarbeitenden – auch, ob sie bleiben oder gehen – einerseits leichter nachvollziehbar. Andererseits können Kanzleiinhaber:innen, Geschäftsführer:innen oder Partner:innen mit diesem Wissen besser Einfluss auf die Handlungen ihrer Mitarbeitenden nehmen und sie zielgerichtet steuern.

Erst geben, dann nehmen

Zu den relevanten Elementen, die die Mitarbeiterbindung determinieren, gehören die sogenannten Mitarbeiterbindungs-Bezugsrichtungen. Was man darunter versteht, ist schnell erklärt: Auf das Wörtchen "binden" folgt aus gutem Grund immer ein "mit": Man kann sich mit wem oder was verbinden und sich auch mit wem oder was verbunden fühlen. "Zu einer Bindung gehören immer zwei", das weiß schon der Volksmund.

Im Fachjargon werden diese Mitarbeiterbindungs-Bezugsrichtungen, also das "wem oder was", auch als Mitarbeiterbindungs-Partnerschaften bezeichnet. Denn Bindungen, ob im Privat- oder im Berufsleben, müssen stets auf Gegenseitigkeit beruhen, damit sie wirksam und tragfähig werden oder bleiben. Bindungen hingegen, die als einseitig empfunden werden, beenden wir Menschen üblicherweise recht schnell wieder.

Mitarbeiterbindung beruht auf Gegenseitigkeit

Das ist für alle Führungskräfte in Steuerberatungskanzleien ein sehr wichtiger Aspekt: Wer Loyalität von Mitarbeitenden haben möchte, muss also mit seiner Bindung zu den Mitarbeitenden anfangen und seine Bindungsbereitschaft auch deutlich signalisieren.

Vier Mitarbeiterbindungs-Partnerschaften als Ansatzpunkte 

Im beruflichen Bereich sind vier Bindungspartnerschaften von Bedeutung. Erstens die Aufgabenbindung, über die Sie in dem Beitrag "Mitarbeitendenbindung stärken durch Aufgaben und Mandanten" alles erfahren. Zweitens die führungskraftbezogene Mitarbeiterbindung (Beitrag „World’s Best Boss“) und drittens die Teambindung (Beitrag „Wir halten zusammen!“). Die vierte Bindungsrichtung wird als Unternehmensbindung, Organisationsbindung oder Arbeitgeberbindung bezeichnet. Mit dieser kanzleibezogenen Mitarbeiterbindung befassen wir uns in diesem Beitrag.

Der gesamte Grad der Mitarbeiterbindung bei einer Person ist somit vorstellbar als die Summe der Intensitäten der vier Bindungspartnerschaften.

Mitarbeiterbindung = Aufgabenbindung + Vorgesetztenbindung + Teambindung + Unternehmensbindung

Sie sollten dabei bedenken: Wie wichtig die einzelnen Bindungsbeziehungen für Mitarbeitende sind, hängt stark von den jeweils individuellen Dispositionen ab. Mancher tendiert zur Bindung an die direkte Führungskraft, manchen ist das Miteinander im Team am wichtigsten, manche bezeichnen Aufgaben, Mandanten und Projekte als "ihr Baby" und manche fühlen sich gern einer großen Organisation zugehörig.

Große Chancen für kleine Steuerberatungskanzleien

Wo ist die Grenze zwischen Team- bzw. teambezogener Mitarbeiterbindung und Kanzlei- bzw. kanzleibezogener Mitarbeiterbindung zu ziehen? Teams können innerhalb eines Unternehmens beispielsweise durch unterschiedliche Aufgaben entstehen, getrennte Räumlichkeiten, unterschiedliche Führungskräfte oder differierende Arbeitszeiten.

Als Faustformel gilt: Bei kleinen Steuerberatungskanzleien mit 8 oder weniger Mitarbeitenden, die räumlich eng zusammenarbeiten, werden Ihre Maßnahmen zur Stärkung der Teambindung auch einen enormen Einfluss auf die kanzleibezogene Bindung Ihrer Mitarbeitenden haben. Werfen Sie als Inhaber:in einer kleinen Steuerberatungskanzlei daher bitte unbedingt einen Blick auf die Tipps zur teambezogenen Mitarbeiterbindung.

Kennzeichen hoher kanzlei- bzw. unternehmensbezogener Mitarbeiterbindung

Woran erkennt man hohe Unternehmensbindung bei Mitarbeitenden? Ein Beispiel hierfür sind die sogenannten "Arbeitnehmenden-Selbstbezeichnungen". Dabei fühlen sich Mitarbeitende ihrem Arbeitgeber so zugehörig, dass sie sich selbst als Aniliner (BASF SE), Voestler (Voestalpine AG) oder Siemensianer (Siemens AG) bezeichnen. Mit diesen identifikatorischen Begriffen drücken sie ihre starken und auf "lebenslang" ausgelegten Zugehörigkeitsgefühle aus.

Zu der Entstehung solcher Selbstbezeichnungen kann man als Kanzleiinhaber:in, Geschäftsführer:in oder Partner:in natürlich auch ein bisschen beitragen. 

Maßnahmen zur Stärkung der kanzlei- bzw. unternehmensbezogenen Mitarbeiterbindung

Mit welchen weiteren Maßnahmen lässt sich die unternehmens-, organisations-, arbeitgeber- bzw. kanzleibezogene Mitarbeiterbindung stärken und steuern? Basis für emotional geprägte Bindungen sind stets gemeinsame Charakteristika, Werte und Ziele. Das ist bei der Unternehmensbindung nicht anders. Definieren Sie als Unternehmensleitung nicht nur finanzielle Ziele für Ihre Kanzlei, sondern auch – zusammen mit Ihren Mitarbeitenden – identifikationsförderliche Kanzleiziele. Legen Sie gemeinsam mit Ihren Mitarbeitenden sinnstiftende Werte fest, die das Handeln jedes einzelnen in der Gesamtorganisation prägen.

Gestalten Sie die Sozialräume so, dass man sich dort gern aufhält. Sorgen Sie mithilfe von gemeinsamen freizeitlichen, sportlichen oder kulturellen Aktivitäten für Verbindungen und Vernetzungen. Führen Sie gemeinsame Projekte durch, z. B. in Form eines sozialen oder ökologischen Engagements. Sammeln und veröffentlichen Sie Mythen, Anekdoten und Erfolgsgeschichten aus der Unternehmenshistorie als identitätsstiftendes Instrument.

Gemeinsamkeiten schaffen und betonen 

Insbesondere stark filialisierte Steuerberatungsgesellschaften tun gut daran, bestehende Unterschiede zwischen den Niederlassungen möglichst zu nivellieren oder zumindest nicht identifikationsrelevant werden zu lassen. Betonen Sie lieber die Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten: Nutzen Sie Firmenevents, um betriebsübergreifende Vernetzungen zu schaffen. Feiern Sie Erfolge mit allen Mitarbeitenden, zum Beispiel die gemeinsam erreichten Unternehmensziele.

Verteilen Sie hochwertige Kleidung mit dem Logo Ihrer Kanzlei, die Ihre Mitarbeitenden auch in der Freizeit gerne tragen. Denken Sie an identifikationsförderliche Abzeichen, Anstecknadeln, Aufkleber und Accessoires. Eine Kanzlei aus Österreich schenkt jedem Mitarbeitenden im Dezember eine Blechkiste mit Süßigkeiten, die jedes Jahr anders gestaltet ist. Die Mitarbeitenden sammeln und stapeln diese in ihren Büros, um damit anderen die Dauer und Stärke ihrer Kanzlei-Zugehörigkeit zu demonstrieren.

Nutzen der unternehmens- bzw. kanzleibezogenen Mitarbeiterbindung

Welche Effekte sind durch die Stärkung der unternehmens- bzw. kanzleibezogenen Mitarbeiterbindung erzielbar? Zuerst das, was Sie bitte nicht erwarten. Auch wenn die Initiatoren stets mit einer höheren Leistungsbereitschaft – sozusagen aus Dankbarkeit für all die tollen Maßnahmen, die auf die Unternehmensbindung einzahlen – rechnen: Durch diese Maßnahmen wird im Durchschnitt über alle Mitarbeitenden hinweg lediglich ein geringer bis mittelstarker Anreiz geschaffen, sich stärker zu engagieren. Tatsächlich gibt es sogar viele stark organisationsgebundene Low Performer, insbesondere in großen Unternehmen und in der öffentlichen Verwaltung.

Der primäre Nutzen von unternehmens- und kanzleibezogenen Mitarbeiterbindungs-Maßnahmen liegt in der enormen Steigerung der Verbleibsneigung. Im Hinblick auf die Fluktuation ist offensichtlich: Mitarbeitende, die sich ihrem Arbeitgeber verbunden fühlen, zeichnen sich in der Regel durch eine hohe Verbleibsbereitschaft und eine langjährige Betriebszugehörigkeit aus. Angesichts hoher Fluktuationskosten amortisieren sich Investitionen in die Stärkung der unternehmens- und kanzleibezogenen Mitarbeiterbindung in äußerst kurzer Zeit.

Zudem eignen sich Maßnahmen, die auf die Steigerung der Unternehmensbindung abzielen, hervorragend zur Verbesserung der Arbeitgeberattraktivität. Von Mitarbeitenden selbst nach außen getragener Stolz auf das Unternehmen wirkt stets authentischer und glaubhafter als jede noch so aufmerksamkeitsstarke Personalmarketing-Maßnahme.

Wer die Unternehmensbindung seiner Mitarbeitenden gezielt stärkt, profitiert von besonders
 geringer Fluktuationsneigung und leichterer Personalgewinnung.

Fazit: Es lohnt sich, die Kanzleibindung zu stärken

Die Unternehmensbindung stellt einen wichtigen Bestandteil zeitgemäßer Mitarbeiterbindung dar. Viele Menschen suchen – oft unbewusst – den Anschluss an eine Organisation, um sich wohl und sicher zu fühlen.

Machen Sie Ihre Mitarbeitenden zu Fans Ihrer Kanzlei. Machen Sie sie immun gegen die Verlockungen anderer Arbeitgeber und der Headhunter. Es kostet etwas Mühe, etwas Kreativität zum Entwickeln der zu ihrer Kanzlei passenden Maßnahmen und auch mal die eine oder andere Investition. Aber es lohnt sich. Sie vermeiden die heute mit jedem Austritt verbundenen, hohen Kosten. Und seien Sie sich gewiss: Wenn Sie Ihre Mitarbeitenden binden, binden diese für Sie auch Ihre Mandanten.

 

 

 

Gunther Wolf, Diplom-Ökonom und Diplom-Psychologe, ist Experte für Performance Management, mitarbeiterzentriert erfolgsorientierte Unternehmensführung und organische Wachstumsstrategien. Er ist seit 1984 als Führungskräftetrainer sowie zertifizierter Management- und Strategieberater national und international tätig. Zu den wegweisenden Entwicklungen von Gunther Wolf zählen das ZED-Personalmarketingkonzept, die SELIMAB-Methode zur wirtschaftlichkeitsorientierten Dosierung von Mitarbeiterbindungs-Aktivitäten und das PEA-System zur strategischen Steuerung und Optimierung von Potenzial, Erfolg (Performance) und Arbeitgeberattraktivität von Unternehmen. Der vielfache Buchautor wurde für seinen Managementratgeber "Mitarbeiterbindung - Strategie und Umsetzung im Unternehmen" mit dem Deutschen Managementbuchpreis ausgezeichnet. Kontakt: https://bindung-mitarbeiter.de/ 

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