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Erfolgsfaktor Kanzleiteam 
Impulse aus Unternehmens- und Strategieberatung 

Mitarbeitendenbindung stärken: Durch Aufgaben und Mandanten

Wie individuell passende Aufgaben Ihre Mitarbeitenden binden und motivieren

Ein Beitrag von M.Sc. Wirtschaftspsychologie Carina Müller und Diplom-Ökonom und Diplom-Psychologe Gunther Wolf

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https://www.initiative-gemeinsam-handeln.de/fachkraefte-entwickeln/mitarbeitendenbindung-staerken-durch-aufgaben-und-mandanten

Ob Menschen gerne und engagiert arbeiten, hängt oft maßgeblich davon ab, ob sie ihre Aufgaben als sinnhaft, wertvoll und interessant erleben. Führungskräfte in Steuerberatungskanzleien können bei ihren Mitarbeitenden durch abwechslungsreiche Mandate, verantwortungsvolle Tätigkeiten und spannende Projekte sowohl eine hohe Motivation als auch eine starke Mitarbeiterbindung erzielen. 

Zu einer Bindung gehören immer zwei, das wissen wir aus dem Privatleben. Bei der Mitarbeiterbindung ist das nicht anders. Zwei der im Arbeitsleben relevanten, sogenannten Bindungspartnerschaften kennen Sie aus den Beiträgen „World’s Best Boss“ und „Wir halten zusammen!“: die auf die Führungskraft und die auf das Team bezogene Mitarbeiterbindung. 

Eine weitere wichtige Bindungspartnerschaft ist die aufgabenbezogene Mitarbeiterbindung. Die Aufgabenbindung beschreibt die Verbundenheit des Mitarbeitenden erstens zu ihren konkreten Arbeitsaufgaben sowie zweitens zu den Personen, für die diese Aufgaben erledigt werden.

Aufgabenbindung und ihre Bedeutung für Steuerberatungskanzleien

In Steuerberatungskanzleien sind es vor allem die Mandanten, für die Arbeiten geleistet werden. Mitarbeitende sollten direkt erkennen können, welchen konkreten Nutzen ihre Tätigkeit hat: Sie unterstützen die Mandanten dabei, steuerliche Pflichten zu erfüllen, Risiken zu vermeiden und fundierte wirtschaftliche Entscheidungen zu treffen. Wer diesen Impact seiner Arbeit deutlich wahrnimmt und entsprechende Rückmeldung seitens der Mandanten erhält, entwickelt häufig eine stärkere Verbundenheit mit seinen Aufgaben.

Gerade bei anspruchsvollen Mandaten oder komplexen steuerlichen Fragestellungen entsteht oft ein besonderes Engagement. Manche Mitarbeitende bezeichnen dann beispielsweise bestimmte Beratungsmandate oder Projekte als „ihr Baby“. Diese Form der Verbundenheit führt in der Regel zu einer sehr hohen Einsatzbereitschaft.

Vier Bindungspartnerschaften im Überblick

Im Arbeitsleben wird zwischen vier wesentlichen Bindungspartnerschaften unterschieden: 

  1. Unternehmensbindung
  2. Teambindung
  3. Aufgabenbindung
  4. Führungskräftebindung

Wie wichtig die einzelnen Bindungsbeziehungen für Mitarbeitende sind, hängt stark von ihren persönlichen Einstellungen und Bedürfnissen ab. 

Grundsätzlich gilt: Menschen engagieren sich vor allem in Beziehungen, in denen sie Wertschätzung und Resonanz erfahren. Wird eine Beziehung dagegen als einseitig wahrgenommen, verliert sie meist schnell an Bedeutung. Das gilt auch für die Bindung von Mitarbeitenden zu ihren Aufgaben bzw. den Mandanten.

Was ist Aufgabenbindung?

Aufgabenbindung entsteht nicht allein durch Interesse an einer Tätigkeit. Sie entwickelt sich aus verschiedenen Faktoren, die sich gegenseitig verstärken können. Eine wichtige Rolle spielt zunächst das Gefühl, mit der eigenen Arbeit einen sinnvollen Beitrag zu leisten. Wenn Mitarbeitende erkennen, dass ihre Tätigkeit Mandanten unterstützt, steuerliche Risiken reduziert oder für mehr Sicherheit sorgt, steigt die Identifikation mit den Aufgaben.

Auch Erfahrung und Vertrautheit tragen zur Aufgabenbindung bei. Wer über längere Zeit bestimmte Mandate oder Tätigkeitsbereiche betreut, entwickelt Routine und fühlt sich in seinen Aufgaben sicher. Dadurch wächst oft auch die persönliche Verantwortung für die Qualität der Arbeit.

Wer die Aufgabenbindung seiner Mitarbeitenden gezielt stärkt, profitiert von motivierteren Mitarbeitenden,  
geringerer Fluktuationsneigung sowie qualitativ und quantitativ besseren Arbeitsergebnissen. 

Hinzu kommt das Bewusstsein, dass die eigene Tätigkeit für andere von Bedeutung ist. Gerade in der Steuerberatung sind Genauigkeit, Zuverlässigkeit und Sorgfalt entscheidend, weshalb viele Mitarbeitende ein starkes Verantwortungsgefühl gegenüber ihren Mandanten entwickeln.

Besonders stark wird die Aufgabenbindung, wenn Menschen echte Freude an ihrer Arbeit empfinden. Viele Steuerberater:innen und Steuerfachkräfte erleben es als motivierend, komplexe steuerliche Fragestellungen zu lösen oder Mandanten bei wichtigen wirtschaftlichen Entscheidungen zu unterstützen.

Woran erkennt man eine hohe Aufgabenbindung 

Eine starke Aufgabenbindung zeigt sich im Arbeitsalltag vor allem durch ein hohes Engagement. Mitarbeitende investieren Zeit und Energie, um ihre Aufgaben möglichst gut zu erfüllen. Qualität und Sorgfalt haben für sie einen hohen Stellenwert.

In Steuerberatungskanzleien zeigt sich dies zum Beispiel darin, dass Mitarbeitende aktiv nach Lösungen für Mandanten suchen, sich intensiv in steuerliche Fragestellungen einarbeiten oder Verantwortung für bestimmte Mandate übernehmen. Häufig entwickeln sie auch eigene Ideen, um Abläufe zu verbessern oder Mandanten noch besser zu unterstützen.

Welche Wirkung hat hohe Aufgabenbindung?

Eine hohe Aufgabenbindung von Mitarbeitenden hat daher mehrere positive Effekte für Arbeitgeber. Besonders deutlich zeigt sie sich in der Leistungsbereitschaft: Mitarbeitende, die sich stark mit ihren Aufgaben identifizieren, setzen sich intensiv für gute Ergebnisse ein. Sie möchten ihre Arbeit sorgfältig erledigen und streben ein hohes Qualitätsniveau an. Gerade in der Steuerberatung ist dies ein entscheidender Aspekt.

Auch für die Arbeitgeberattraktivität spielt die Aufgabenbindung eine wichtige Rolle. Interessante Tätigkeiten und abwechslungsreiche Mandate sind für viele Bewerber:innen ein entscheidender Faktor bei der Wahl ihres Arbeitgebers. In Stellenanzeigen und Bewerbungsgesprächen werden die konkreten Aufgaben deshalb besonders aufmerksam betrachtet.

Die Wirkung auf die Neigung zum Verbleib ist dagegen weniger eindeutig. Wer seine Aufgaben liebt, wird ähnliche Tätigkeiten auch in anderen Kanzleien finden. Aufgabenbindung allein sorgt daher nicht automatisch für ein relevantes Maß für eine höhere Neigung zum Verbleib. Sie entfaltet ihre größte Wirkung im Zusammenspiel mit einer starken Bindung zu Kunden bzw. Mandanten, guter Führungskultur, attraktiven Arbeitsbedingungen und einem positiven Teamumfeld.

Wie können Steuerberatungskanzleien die Aufgabenbindung stärken?

Als Führungskraft in einer Kanzlei können Sie die Aufgabenbindung ihrer Mitarbeitenden gezielt fördern, indem sie Arbeitsaufgaben bewusst gestalten und verteilen. Überlegen Sie bei Delegationsentscheidungen nicht nur, wer über die erforderlichen zeitlichen Ressourcen verfügt, sondern berücksichtigen Sie auch die individuellen Motive, Werte, Ziele, Neigungen, Stärken und Interessen der Mitarbeitenden.

Manche Menschen dürsten danach, bei ihren Tätigkeiten stets etwas Neues hinzuzulernen und sich fachlich weiterzuentwickeln. Diese Kräfte binden Sie durch herausfordernde Projekte und abwechslungsreiche Tätigkeiten. Bei anderen Personen stärken Sie die Mitarbeiterbindung eher dadurch, dass sie an Mandaten und Aufgaben möglichst wenig verändern. Denn: "Jede Jeck is anders" – sagt der Kölner Volksmund.

Durch direkten Kontakt zu Mandanten können sie bei vielen Kräften die Mitarbeiterbindung enorm verbessern. Wer als angestellte:r Steuerberater:in oder Steuerfachkraft erlebt, wie sehr die eigenen Arbeitsergebnisse die Mandanten unterstützen, empfindet sie als wertvoll und sinnhaft. Wenn man dann auch noch Lob und Dankbarkeit seitens des Mandanten einheimst, verstärkt sich dieser Effekt.

Viele Kanzleien stärken die Aufgabenbindung zudem durch mehr Eigenverantwortung. Wenn Mitarbeitende klar definierte Mandate eigenständig betreuen oder als feste Ansprechpartner:innen für bestimmte Mandanten fungieren, entsteht häufig ein stärkeres Verbindungs- und Verantwortungsgefühl.

Darüber hinaus kann die Gelegenheit, an zusätzlichen Projekten mitzuwirken, eine hohe Motivation schaffen. Die Implementierung einer neuen Software, die Einführung digitaler Prozesse, die Entwicklung neuer Beratungsangebote oder die Spezialisierung auf bestimmte Branchen eröffnen interessante Aufgabenfelder und fördern Engagement und Bindung der Mitarbeitenden.

Fazit: Es lohnt sich, die Aufgabenbindung zu stärken

Die Aufgabenbindung ist ein wichtiger Bestandteil moderner Mitarbeiterbindung. Wenn Mitarbeitende ihre Aufgaben als sinnhaft, wertvoll, nutzenstiftend, interessant, wirkungsstark und verantwortungsvoll erleben, steigt ihre Motivation deutlich. Für Steuerberatungskanzleien bedeutet dies eine höhere Arbeitsqualität, engagiertere Teams und stärkere Attraktivität als Arbeitgeber.

Gleichzeitig zeigt sich, dass Aufgabenbindung besonders dann wirksam ist, wenn sie mit einer guten Führungskultur und positiven Arbeitsbedingungen kombiniert wird. Führungskräfte in Kanzleien, die die Aufgaben ihrer Mitarbeitenden bewusst gestalten, individuell ausrichten und Mitarbeitenden passende Entwicklungsmöglichkeiten bieten, schaffen damit eine wichtige Grundlage für den langfristigen Erfolg ihrer Kanzlei. 

Carina Müller, M.Sc. Wirtschaftspsychologie, hat in ihrer langjährigen Tätigkeit als Personalleiterin erlebt, wie entscheidend es ist, moderne Strukturen zu etablieren und Zusammenarbeit konstruktiv zu gestalten. Heute legt sie als Beraterin und Trainerin großen Wert auf praxisnahe Lösungen, die Führung erleichtern, Mitarbeitende motivieren und langfristige Bindung fördern. Mit ihrer Erfahrung verbindet sie fachliche Expertise mit einer ausgeprägten Sensibilität für zwischenmenschliche Dynamiken. Kontakt: https://io-business.de/carina-mueller/ 

Gunther Wolf, Diplom-Ökonom und Diplom-Psychologe, ist Experte für Performance Management, mitarbeiterzentriert erfolgsorientierte Unternehmensführung und organische Wachstumsstrategien. Er ist seit 1984 als Führungskräftetrainer sowie zertifizierter Management- und Strategieberater national und international tätig. Zu den wegweisenden Entwicklungen von Gunther Wolf zählen das ZED-Personalmarketingkonzept, die SELIMAB-Methode zur wirtschaftlichkeitsorientierten Dosierung von Mitarbeiterbindungsaktivitäten und das PEA-System zur strategischen Steuerung und Optimierung von Potenzial, Erfolg (Performance) und Arbeitgeberattraktivität von Unternehmen. Der vielfache Buchautor wurde für seinen Managementratgeber "Mitarbeiterbindung - Strategie und Umsetzung im Unternehmen" mit dem Deutschen Managementbuchpreis ausgezeichnet. Kontakt: https://bindung-mitarbeiter.de/ 

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